Atmung der Wände: Problem beim Dämmen im Fachwerk

(alb). In Lindenstruth ist im Zusammenhang mit der Dorferneuerung auch das Thema „Energieeffizienz“ behandelt worden. Nach einer Befragung der Hausbesitzer durch einheimische „Energiescouts“ fand dieses Projekt mit dem zwischenzeitlichen Erstellen von Energiepässen für 53 Prozent der Hausbesitzer und einer Abschlussveranstaltung im Feuerwehrhaus nun seinen Abschluss. Ortsvorsteher Gerhard Albach begrüßte die leider nur spärlich gekommenen Einwohner und Anne Schreiner vom Amt für Regionalentwicklung des Lahn-Dill-Kreises, Anette Kurth und Peter Momper von der Bioenergie-Region Mittelhessen, vom Planungsbüro Holger Fischer Architektin Elisabeth Schade und Uwe Markgraf als Vertreter der Gemeinde Reiskirchen.

 Projektleiter Peter Momper ging auf die Erhebungen, Ergebnisse und mögliche Folgen ein. Er verdeutlichte in einer Power-Point-Präsentation die möglichen finanziellen Einsparmöglichkeiten, die sich für Hausbesitzer durch Modernisierungen ergeben können, und betonte dabei auch die Bedeutung für das Klima. „Mehr als 50 Prozent des Energieverbrauchs gehen zu Lasten der Privathaushalte, sodass die Energiewende nur erfolgreich sein kann, wenn der Energieverbrauch in den Privathaushalten deutlich gesenkt wird“, so seine Kernaussage. Anhand von stetig steigenden Energiekosten machte er die finanziellen Belastungen der Haushalte deutlich: Die Gesamtkosten für die Energieversorgung eines Durchschnittshaushaltes betragen aktuell rund 3000 Euro im Jahr. Er konnte damit auch die möglichen Einsparpotenziale anhand von imponierenden Zahlen belegen. Momper betonte, dass die im Energiepass aufgelisteten Einsparmaßnahmen nur eine Orientierung sein können und nicht die weitergehende fundierte bauliche und energetische Bewertung mit all den möglichen Folgen ersetzen kann.

Anschließend trug Anne Schreiner die Kriterien der Dorferneuerung vor und hob einzelne Kernpunkte hervor. So ist der 30. Juli 2016 der letzte Tag, an dem Förderanträge abgegeben werden können. Die Förderung beträgt 30 Prozent, wobei ein Höchstbetrag von 30 000 Euro möglich ist und die Maßnahme mindestens 10 000 Euro kosten muss.

 Voraussetzung ist die Lage im Fördergebiet, das Gebäude muss ortstypisch und vor 1945 gebaut worden sein. Eine kostenlose Bauberatung mit einem entsprechenden Protokoll gehört ebenso zum Angebot. Schreiner machte deutlich, dass die Vorschriften oftmals keinen Spielraum lassen und deshalb immer bei der Prüfung der Förderfähigkeit durchgeprüft werden müssen.

 Bei dem Einbau einer neuen Heizung seien beispielsweise Investitionen in der doppelten Höhe der Heizungseinbaukosten in die energetische Beschaffenheit des Hauses Voraussetzung und es dürfe vorher keine Heizung im Haus vorhanden gewesen sein. Elisabeth Schade ergänzte aus baufachlicher Sicht die Problematik der Dämmung von Fachwerkhäusern. Sie wies mehrmals darauf hin, dass es immens wichtig sei, immer darauf zu achten, eine „Atmung der Wände“ zu gewährleisten. Ansonsten könne es zu irreparablen Schäden an tragenden Teilen kommen.

Quelle: Gießener-Anzeiger

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