Sicherung des Streuobstkomplexes „Hohl“ von Reiskirchen

Im Zuge der Sicherung von Streuobstgebieten ist es der Landschaftspflegevereinigung Gießen e.V. gelungen, Naturschutzmittel des Landes Hessen und des Bundes für das hochwertige Streuobstgebiet „Hohl“ in Reiskirchen zu akquirieren.

Die Streuobstflächen der „Hohl“ umfassen ein Gebiet von mehr als 17 ha mit mehr als 700 Hochstamm-Obstbäumen. Schon im Jahr 1995 ist im Landschaftsplan der Gemeinde Reiskirchen festgehalten, dass die Pflege vorhandener Bäume und das Pflanzen neuer Bäume wichtig sei. Dem Grünland bescheinigt der Landschaftsplan einen hohen Artenreichtum, der erhalten werden solle. Im Jahr 2000 wurde das Gebiet gar als europaweites Schutzgebiet im Rahmen der Flora-/Fauna-Habitat ausgewiesen.

Leider hat dies alles aber nicht dazu geführt, dass das Streuobstgebiet umfassend gepflegt wurde. Lediglich wenige Grundstücksbesitzer schneiden noch ihre Bäume, Neupflanzungen findet man noch seltener. Die Obstbäume sind nahezu vollständig in höherem Alter. Ohne Verjüngung des Baumbestandes ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis der Restbestand der Obstbäume ebenso verschwunden ist.

Die LPV Gießen setzt mit Hilfe der Fördermittel in den Jahren 2018 und 2019 Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt des Streuobstgebietes um, da sich dessen Zustand im Laufe der Jahre weiter verschlechtert hat. Die LPV Gießen will durch die Sicherung des Streuobstbestandes dieser Negativentwicklung entgegenwirken und noch dazu zur Erhöhung der Artenvielfalt beitragen. Neben Obstbaumschnitt zählt hierzu unter anderem auch die Pflanzung von Hochstamm-Obstbäumen in vorhandene Lücken.

Nichtsdestotrotz gilt es hier zu erwähnen, dass sich natürlich nicht alle Parzellen in einem schlechten Zustand befinden. Mancher Parzellenbesitzer steckt besonders viel Herzblut in den Erhalt seiner Obstbäume und kann so auf eine reiche Ernte hoffen. Aber nicht nur der Mensch profitiert von den Streuobstwiesen, sondern auch viele Tier- und Pflanzenarten nennen die Streuobstwiese ihr Zuhause. So finden insbesondere bedrohte Vogelarten wie der Steinkauz oder der Gartenrotschwanz in den Höhlen alter Obstbäume Unterschlupf und Nistmöglichkeiten.

Zur Entwicklung eines Schutzkonzeptes wurden betroffene Parzelleneigentümer im August 2018 schriftlich über das Vorhaben informiert. „Die bisherige Resonanz von Seiten der Bevölkerung ist überaus positiv“, so Ingrid Moser (Geschäftsführerin der LPV Gießen).

Die Gelder zur Umsetzung des Projektes müssen verbraucht werden, da diese ansonsten verfallen. Da sich mittlerweile ein Großteil der angeschriebenen Parzellenbesitzer bei der LPV Gießen gemeldet und Bereitschaft zur Teilnahme am Projekt erklärt hat, ist es besonders wichtig, die Umsetzung der Maßnahmen nun effektiv zu gestalten. Hierzu arbeitet die LPV Gießen bewusst mit örtlichen Vereinen zusammen, die auf Erfahrungen in der Obstbaumpflege zurückgreifen können. „Nahezu alle Obst- und Gartenbauvereine in Reiskirchen und den Ortsteilen wollen mitarbeiten“, so Ingrid Moser.

Hohler Saft

Die Sicherung der Streuobstbestände geht auf eine Initiative des Landkreises Gießen zurück, der die LPV damit beauftragt hat, geeignete Möglichkeiten zu suchen, um diese wertvollen Biotope langfristig zu erhalten. Die erste Kreisbeigeordnete Frau Dr. Christiane Schmahl weist darauf hin, dass der Erhalt von Streuobstbeständen ganz besonders schwer sei: So sind nahezu alle Parzellen der „Hohl“ in Privatbesitz, teilweise sogar im Besitz von Erbengemeinschaften. Man müsse das Einverständnis von jedem einzelnen Besitzer einholen, viele davon wohnen schon lange nicht mehr in Reiskirchen. „Es gibt in Hessen derzeit viele Fördermöglichkeiten im Naturschutz, kaum ein Förderprogramm kann jedoch ohne Schwierigkeiten auf  Privatparzellen eingesetzt werden“, so Dr. Schmahl. Das Echo auf die Initiative ist überwältigend: Die LPV hat in Reiskirchen die Zusage von den privaten Eigentümern, noch in diesem Herbst 240 Altbäume zu schneiden, es könnten sogar 138 neue Bäume gepflanzt werden.

Auf noch eine Besonderheit weist die Dezernentin hin: Am Dienstag, den 11.09.18 werden von der Arbeitslosen-Initiative die Apfelbäume abgeerntet, die von den Besitzern nicht benötigt werden. Gekeltert wird dann in Bettenhausen bei der Kelterei Kaes. Es entsteht der „Hohler Saft“ der Gemeinde Reis-kirchen.

Gemeinderat Hofmann von der Gemeinde Reiskirchen freut sich: 100 Pakete á 5 Ltr. „Hohler Saft“ werden in den nächsten Tagen in der Gemeindeverwaltung an interessierte Bürger verkauft werden. „Eine eigene Direktvermarktung der Gemeinde, an der wir uns aktiv beteiligen. So wird die reiche Ernte dieses Jahres sinnvoll verwertet und es entsteht ein richtig guter Apfel- und Apfel-/Birnensaft.“, freut sich Herr Hofmann.

Kontakt LPV Gießen:
Landschaftspflegevereinigung Gießen e.V.
Moltkestraße 4
35410 Hungen
06402-809000